Georges Federspiel sitzt auf seinem Bürostuhl und muss nicht lange überlegen, als das Gespräch auf Fiutscher kommt. Zu viele Erinnerungen verbindet er mit der Bündner Berufsausstellung. Schliesslich war der Kursleiter von Agrotec Südost bei jeder bisherigen Austragung dabei. Besonders die erste ist ihm geblieben. Damals beschränkte sich die Ausstellung auf die Churer Stadthalle. Alles war kleiner und überschaubarer. «Die ganze Ausstellung war eher klein, nur in der Stadthalle», erinnert sich Federspiel.

Am Stand waren damals auch die Hufschmiede vertreten. Am Mittwochnachmittag und am Samstag wurden draussen Pferde beschlagen. «Wegen des Gestanks», fügt Federspiel schmunzelnd an. Für die Jugendlichen stand zudem ein Amboss bereit. Sie konnten ein Stück Rundeisen erhitzen und daraus mit eigenen Händen ein Herz schmieden. Der Andrang war gross. Federspiel machte schon damals eine Erfahrung, die für ihn bis heute gilt: «Wenn etwas läuft, kommen viele an den Stand.» Jugendliche wollen einen Beruf nicht nur erklärt bekommen. Sie wollen zuschauen, anfassen und selbst etwas machen. Noch eine Erinnerung bringt ihn zum Schmunzeln: «An der ganzen Ausstellung gab es nur ein Menü.» Auch das zeigt, wie überschaubar die Anfänge waren.

Feinfühligkeit ist gefragt
Von Beginn an verfolgte Agrotec Südost ein klares Ziel. Möglichst viele Schülerinnen und Schüler sollten die Berufe Landmaschinenmechaniker, Baumaschinenmechaniker und Motorgerätemechaniker kennenlernen. Agrotec Südost ist die regionale Organisation der Landtechnikbranche und engagiert sich stark in der Berufsbildung. Im Bildungscenter Landtechnik, wo Federspiel als Kursleiter tätig ist, stehen technische Berufe rund um Landmaschinen, Baumaschinen und Motorgeräte im Zentrum. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Mechanik. Hydraulik, Elektrik, Elektronik und digitale Systeme gehören heute ebenso zum Berufsalltag. «Die Jugendlichen merken an der Berufsausstellung, dass bei uns nicht nur mit dem grossen Gabelschlüssel und dem Hammer gearbeitet wird», sagt Federspiel. «Es braucht viel Feinfühligkeit. In modernen Landmaschinen, Baumaschinen und Motorgeräten steckt heute sehr viel Technik und Elektronik.»

Federspiel hat selbst eine Lehre als Landmaschinenmechaniker absolviert und bezeichnet sich bis heute bewusst als Handwerker. «Ich bin der Typ des Handwerkers.» Genau deshalb engagiert er sich seit so vielen Jahren an der Fiutscher. «Ich möchte, dass das Handwerk weiterlebt und nicht ausstirbt. Das möchten wir an der Fiutscher aufzeigen.» Für ihn geht es dabei auch darum, ein zeitgemässes Bild des Handwerks zu vermitteln. Wer sich heute für einen technischen Beruf entscheidet, arbeitet mit den Händen, muss aber ebenso Zusammenhänge verstehen, Fehler analysieren und mit moderner Technik umgehen können.

Neues Kapitel in der Eventhalle
Wer jede Austragung erlebt hat, kann die Entwicklung der Fiutscher besonders gut beurteilen. Am augenfälligsten ist für Federspiel das Wachstum. «Sicher die Grösse der Ausstellung und die Anzahl der Berufe, die heute gezeigt werden.» Bei den ersten Austragungen sei lediglich die Stadthalle einigermassen gut gefüllt gewesen. Heute präsentiert sich die Fiutscher in ganz anderen Dimensionen. Bei der Austragung 2026 werden 90 Aussteller insgesamt 185 Lehrberufe präsentieren. Zudem findet die Fiutscher vom 11. bis 15. November erstmals in der neuen Eventhalle AREON in Chur statt. Damit beginnt auch für einen Fiutscher-Routinier wie Federspiel ein neues Kapitel. Er blickt der Premiere gespannt entgegen. «Ich bin sehr zufrieden, wie es momentan läuft, und gespannt, wie es in der neuen Eventhalle abläuft.» Die Entwicklung der vergangenen Jahre beurteilt er positiv. Auch wenn nicht immer alles funktioniert habe, seien die Anliegen der Aussteller aufgenommen worden. «Man konnte mit den Verantwortlichen reden, und meistens wurde eine Lösung gefunden.» Für Federspiel gehört genau diese Bereitschaft, Rückmeldungen aufzunehmen und die Ausstellung weiterzuentwickeln, zum Erfolgsrezept der Fiutscher.

In Erinnerung geblieben sind ihm vor allem die Begegnungen. Unter der Woche sind es die Gespräche mit den Schulklassen. Am Wochenende erlebt Federspiel immer wieder, dass interessierte Jugendliche gemeinsam mit ihren Eltern an den Stand zurückkehren, um weitere Informationen einzuholen. Aus einer kurzen Begegnung unter der Woche kann so am Wochenende bereits ein vertieftes Gespräch über einen möglichen Berufsweg werden.

Auch die Vorbereitung der Jugendlichen habe sich verbessert. «Die Jugendlichen werden heute in der Schule besser auf die Fiutscher vorbereitet als früher. Die Oberstufenlehrer geben sich grössere Mühe.» Viele erscheinen mit Fragebogen und konkreten Aufträgen. Eine Frage hört Federspiel allerdings weniger gerne: «Was verdient man in diesem Beruf?»

Für ihn sollte zunächst im Vordergrund stehen, ob eine Tätigkeit zu einem Jugendlichen passt und Interesse weckt. Deshalb hält er es für entscheidend, dass an der Fiutscher ausprobiert werden kann. Die Ausstellung vermittelt einen ersten Einblick. Danach sollte der nächste Schritt folgen. «Die Jugendlichen sollen sich nicht nur an der Berufsausstellung Informationen einholen. Sie sollen die Berufe kennenlernen und unbedingt eine Schnupperlehre absolvieren.» Erst dort lernen sie auch einen möglichen Lehrbetrieb und das Arbeitsumfeld kennen.

Wenn aus Interesse ein Beruf wird
Dass die Fiutscher tatsächlich Einfluss auf die Berufswahl haben kann, erlebt Federspiel selbst. Im Bildungscenter begegnet er später Jugendlichen wieder, die er erstmals am Stand von Agrotec Südost getroffen hat. «Es sind tatsächlich Jugendliche bei uns in den überbetrieblichen Kursen, die uns zuvor am Stand besucht und grosses Interesse gezeigt haben.» Einige hätten sich anschliessend für eine Ausbildung als Landmaschinen-, Baumaschinen- oder Motorgerätemechaniker entschieden.

Für Federspiel ist das ein Beweis dafür, dass sich der Einsatz lohnt. Ein Kontakt an der Berufsausstellung kann der Anfang eines beruflichen Weges sein. Aus Neugier wird Interesse, es folgt eine Schnupperlehre und vielleicht die Entscheidung für einen Beruf. Und einige Jahre später steht derselbe Jugendliche möglicherweise als angehender Berufsmann wieder vor Federspiel, diesmal nicht an der Fiutscher, sondern in einem überbetrieblichen Kurs.

Die Berufswelt selbst hat sich stark verändert. Moderne Maschinen sind komplexe Systeme. Mechanik, Elektronik, Hydraulik und digitale Technologien greifen ineinander. «Das technische Fachwissen und die praktischen Fähigkeiten stehen heute im Vordergrund», sagt Federspiel. Gerade diese Vielseitigkeit sei eine Chance, Jugendliche anzusprechen, die Freude an Technik und gleichzeitig am praktischen Arbeiten haben.

Auch die Aussteller hätten ihre Auftritte weiterentwickelt. «Ich denke, alle Aussteller geben sich grosse Mühe, einen perfekten Stand zu präsentieren.» Damit die Fiutscher Jugendliche auch künftig erreicht, braucht es für Federspiel zudem eine starke Präsenz in den sozialen Medien, eine gute Vorbereitung in den Schulen und ein Gewerbe, das seine Berufe engagiert und erlebbar präsentiert.

Mehr als eine Berufsausstellung
Nach all den Jahren ist die Fiutscher für Georges Federspiel längst mehr als ein Termin im Kalender. Sie ist auch ein Treffpunkt. Wenn es die Zeit zulässt, besucht er andere Stände, führt Gespräche und knüpft Kontakte. Besonders schätzt er auch die Besuche der Verantwortlichen am eigenen Stand. Er weiss, wie viel Arbeit hinter einer solchen Ausstellung steckt. Deshalb ist ihm eines wichtig: Danke zu sagen. «Die Verantwortlichen geben sich grosse Mühe, eine solche Berufsausstellung auf die Beine zu stellen. Dafür möchte ich allen ein grosses Kränzchen winden und einen grossen Dank aussprechen.»

Wenn Georges Federspiel vom 11. bis 15. November wieder am Stand von Agrotec Südost steht, setzt sich eine Geschichte fort, die in einer überschaubaren Churer Stadthalle begann, mit Hufschmieden, einem Amboss und Jugendlichen, die ein Stück glühendes Eisen zu einem kleinen Herz klopften.

Vieles ist seither grösser und moderner geworden. Die Maschinen sind technischer, die Jugendlichen besser vorbereitet und die Ausstellung umfangreicher. Etwas aber ist gleich geblieben: Ein Beruf wird besonders dann interessant, wenn man ihn erleben kann und Menschen begegnet, die mit Begeisterung davon erzählen. Georges Federspiel tut das seit der ersten Fiutscher.