Wer am Holcim-Werk in Untervaz vorbeifährt, sieht schon von Weitem, dass hier in grossen Dimensionen gearbeitet wird. Im Zementwerk werden innovative und nachhaltige Baulösungen hergestellt. Hinter den grossen Anlagen steckt viel Technik und vor allem viel Fachwissen. Die dafür nötigen Fachkräfte möchte Holcim möglichst selbst ausbilden. «Für uns ist die Berufsbildung kein Randthema, sondern ein zentrales Element für unseren langfristigen Erfolg», sagt Fabienne Baradel. Mit einer guten Ausbildung leiste Holcim einen Beitrag zum dualen Bildungssystem und sichere sich gleichzeitig die qualifizierten Fachkräfte von morgen. Dabei versteht das Unternehmen eine Lehre nicht einfach als Vermittlung von Fachwissen. «Wir betrachten eine Berufslehre nicht als starre Ausbildung, sondern als ein echtes Abenteuer», sagt Baradel. Junge Menschen sollen Verantwortung übernehmen, eigene Fähigkeiten entdecken und sich fachlich wie persönlich entwickeln können.

Am Standort Untervaz stehen Jugendlichen acht verschiedene Lehrberufe offen, mit einem starken Schwerpunkt auf technischen und handwerklichen Ausbildungen. Schweizweit bildet Holcim an neun Standorten in insgesamt 16 Berufen aus. Gleichzeitig beobachtet das Unternehmen neue Berufsbilder, die aufgrund der Digitalisierung und der Veränderungen in der Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen.

Schnupperlehre hat hohen Stellenwert
Gerade das Zementwerk in Untervaz bietet ein besonderes Umfeld für eine Berufslehre. Theorie wird hier unmittelbar zur Praxis. Jugendliche erleben Maschinen, Anlagen und Produktionsprozesse mitten im laufenden Betrieb. Wer sich für eine Lehrstelle interessiert, soll aber auch wissen, was ihn erwartet. «Bei uns ist es spannend, vielseitig und lebendig, es kann aber auch mal kalt, heiss, laut oder staubig werden», sagt Baradel. Deshalb haben Schnupperlehren einen hohen Stellenwert. Jugendliche sollen einen Beruf nicht nur beobachten, sondern selbst erleben. «Zuschauen reicht nicht, Mitmachen ist angesagt!» Wer schnuppert, darf anpacken, ausprobieren und mit Mitarbeitenden sprechen. «Schnupperlehren sind für beide Seiten das beste Fundament. Sie bieten die ehrlichste Chance, einander unverfälscht kennenzulernen.»

Holcim versucht bereits früher, Kinder für die Berufswelt zu begeistern. Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse aus den umliegenden Gemeinden können beim Angebot «Zement erleben» spielerisch in die Welt des Unternehmens eintauchen. Auch am nationalen Zukunftstag öffnet Holcim seine Türen. Bei der Auswahl der Lernenden zählen längst nicht nur Schulzeugnisse. «Noten sind ein Puzzleteil, aber das Gesamtbild entscheidet», betont Baradel. Motivation, Zuverlässigkeit, Neugier und praktisches Geschick seien mindestens ebenso wichtig. Gesucht werden Jugendliche, die Lust haben, etwas zu bewegen, offen für Neues sind und gerne im Team arbeiten. «Wer den Young Spirit in sich trägt und seine Ausbildung aktiv mitgestalten möchte, ist bei uns genau richtig.»

Besonders sichtbar wird dieser Ansatz bei der «Holcim Young Spirit Company». Die Lernendenorganisation funktioniert in gewisser Weise wie eine kleine Firma innerhalb des Unternehmens. Jugendliche planen eigene Projekte, entwickeln gemeinsam Lösungen und übernehmen Verantwortung. Im «Board» können Lernende sogar Führungsaufgaben für ihre Kolleginnen und Kollegen übernehmen. «Unsere Lernenden nehmen das Steuer selbst in die Hand», sagt Baradel. Sie sollen erfahren, was es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, Lösungen zu entwickeln und für Ergebnisse einzustehen. Davon profitieren nicht nur die fachlichen Fähigkeiten. «Das stärkt das Selbstvertrauen, die Kommunikationsfähigkeit und die Sozialkompetenz auf eine Weise, wie es der reine Berufsschulunterricht nie könnte.»

Begleitet werden die Jugendlichen von Berufs- und Praxisbildenden. Diese versteht Holcim nicht nur als Ausbildende, sondern als Coaches und Mentoren. Sie fördern die Lernenden individuell und auf Augenhöhe. Damit sie diese Aufgabe optimal wahrnehmen können, werden auch die Berufsbildenden gezielt weitergebildet. Zur Ausbildung gehört zudem der Blick über den eigenen Arbeitsplatz hinaus. Lernende können während ihrer Lehrzeit einige Zeit in einem anderen Holcim-Werk arbeiten. «Die Lernenden sollen über den Tellerrand des eigenen Standorts blicken, andere Arbeitsweisen kennenlernen, neue Kontakte knüpfen und vor allem Selbstständigkeit und Flexibilität entwickeln.»

Auch Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit verändern die Ausbildung. Für Holcim bedeutet das, junge Berufsleute auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, die sich laufend weiterentwickelt. Nachhaltigkeit, gesellschaftliche und ökologische Verantwortung sowie Innovation sollen deshalb bereits während der Ausbildung eine wichtige Rolle spielen.

Qualität mit klaren Zielen
Einen besonderen Stellenwert hat die Ausbildungsqualität: Holcim ist neu als TOP-Ausbildungsbetrieb (TAB) auf Stufe 2 zertifiziert. Für Baradel ist das Label weit mehr als eine Auszeichnung. «Wir wollen eine schweizweit einheitliche, kompromisslos hohe Ausbildungsqualität garantieren.» Das System helfe, bestehende Strukturen zu überprüfen und die Ausbildung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig schaffe das Label Vertrauen bei ­Jugendlichen und Eltern. Mit der erreichten Zertifizierung gibt sich Holcim nicht zufrieden. Das Unternehmen strebt bereits die nächste Zertifizierungsstufe 3 von TOP-Ausbildungsbetrieb an. «Stillstand gibt es bei uns nicht», sagt Baradel.

Die Qualität der Ausbildung wird auch im Wettbewerb um Nachwuchs wichtiger. «Im aktuellen Markt müssen sich Unternehmen bei den Jugendlichen bewerben», sagt Baradel. Junge Menschen wollten ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen und wissen, welche Perspektiven ihnen ein Unternehmen bieten könne. «Jugendliche von heute suchen Sinnhaftigkeit, echte Mitgestaltungsmöglichkeiten und klare Zukunftsaussichten.» Bei Holcim scheint dieser Ansatz Wirkung zu zeigen. Noch vor einigen Jahren war es auch für das Unternehmen eine Herausforderung, genügend Nachwuchs für die angebotenen Lehrberufe zu gewinnen. Inzwischen werden fast 90 Prozent der offenen Lehrstellen innerhalb von drei Monaten besetzt. Baradel sieht darin eine Bestätigung für das Ausbildungskonzept «Holcim Young Spirit».

Für Baradel zeigt sich der Erfolg einer Berufslehre aber nicht allein im bestandenen Qualifikationsverfahren. «Eine wirklich gute Ausbildung ist für mich die perfekte Balance aus fachlicher Exzellenz und persönlichem Wachstum.» Der Auftrag sei dann erfüllt, wenn am Ende selbstbewusste junge Berufsleute dastünden, die ihr Handwerk beherrschen und bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Jugendlichen, die aktuell vor der Berufswahl stehen, gibt sie deshalb einen einfachen Rat: «Seid mutig, probiert euch aus und entdeckt in Schnupperlehren so viele Berufe wie möglich!» Sie sollten einen Betrieb suchen, der sie nicht nur als Arbeitskraft sehe, sondern ihre Talente fördere und ihre Ideen ernst nehme. Von den künftigen Lernenden bei Holcim wünscht sich Baradel Neugier und Mut. «Ich wünsche mir, dass sie neugierig bleiben, unbequeme Fragen stellen und mit frischem Wind unseren Arbeitsalltag und unsere Prozesse bereichern.»