Am Morgen beginnt der Tag mit einer festen Routine. Computer hochfahren, Röntgen- und Laborgeräte starten und den Briefkasten leeren. Was danach kommt, lässt sich kaum planen. Ein Patient braucht eine Untersuchung, das Telefon klingelt, im Labor wartet die nächste Aufgabe – oder jemand steht mit einer Verletzung vor der Tür. «Einen klassischen Arbeitstag gibt es bei uns nicht. Jeder Tag ist anders», sagt Demi Knecht. Sie ist leitende Medizinische Praxisassistentin (MPA), Praxisleiterin und Berufsbildnerin. Eine MPA bezeichnet sie als «rechte Hand des Arztes». Sie unterstützt bei Untersuchungen und Behandlungen, betreut Patientinnen und Patienten und sorgt dafür, dass der Praxisalltag funktioniert.

Zum Team gehören die Ärztin Kath­leen Keilwerth, Demi Knecht und Magdalena Disch sowie die MPA-Lernenden Nadia Mastroianni und Tanja Kalberer. Die überschaubare Grösse macht die Ausbildung persönlich. Die Lernenden sind mitten im Praxisalltag und erleben, was medizinische Grundversorgung bedeutet. Sie lernen die Allgemeine Innere Medizin und klassische Dorfmedizin kennen. Knecht nennt als Beispiel den Bauern, der sich verletzt hat, aber möglichst schnell wieder auf seinen Hof zurückmuss. Solche Situationen verlangen neben medizinischem Können Flexibilität, Geduld und Einfühlungsvermögen. Mit jedem Lehrjahr wächst die Verantwortung. Im ersten Jahr beobachten die Jugendlichen noch viel, im zweiten arbeiten sie zunehmend selbstständig, im dritten übernehmen sie viele Tätigkeiten eigenständig.

Wenn alles gleichzeitig passiert

Herausfordernd wird es, wenn das Telefon klingelt, Patientinnen und Patienten warten und gleichzeitig ein Notfall hereinkommt. «Learning by Doing», sagt Knecht. Mit der Erfahrung lernen die Jugendlichen, Prioritäten zu setzen, ruhig zu bleiben und unter Stress konzentriert zu arbeiten. Freude am Umgang mit Menschen, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit sind für Knecht zentral. Gute Leistungen in Deutsch, Biologie und Mathematik helfen. Perfekt sein müsse aber niemand. «Viel wichtiger ist die Motivation, Neues zu lernen, Fragen zu stellen und sich weiterzuentwickeln.» Fehler gehören zur Ausbildung – entscheidend ist, daraus zu lernen. Ihre Lernenden sollen wissen, dass sie jederzeit zu Knecht kommen können. Gleichzeitig sollen sie Schritt für Schritt selbstständiger werden und Verantwortung übernehmen. Wie wichtig diese Begleitung ist, hat Knecht selbst erlebt. Besonders in Erinnerung blieb ihr eine Lernende, die aus einer anderen Praxis nach Untervaz wechselte. Nach und nach verlor die junge Frau ihre Angst vor Noten und Fehlern – und gewann ihre Freude am Beruf zurück. «Genau solche Momente sind für mich der Grund, warum ich junge Menschen so gerne ausbilde.»

Jugendlichen, die sich für den MPA-Beruf interessieren, gibt Knecht einen einfachen Rat: «Geh schnuppern!» Denn erst im Praxisalltag zeigt sich, ob der Beruf passt. Dazu gehört auch der Umgang mit Blut, Wunden und anderen Körperflüssigkeiten. Beim Schnuppern zählen vor allem Interesse, Offenheit und Motivation. Warum investiert eine kleine Praxis so viel Zeit in die Ausbildung? Für Knecht ist die Antwort klar. Lernende bringen neue Ideen und frischen Wind ins Team. Was der MPA-Beruf für Ausbildnerin Demi Knecht bedeutet, fasst sie so zusammen: «Abwechslungsreich, menschlich und jeden Tag anders.»