Rico Cioccarelli weiss, was es bedeutet, einen Beruf von Grund auf zu lernen. Er ist gelernter Plattenleger und hat selbst auf Baustellen gearbeitet. Anpacken, genau arbeiten, am Abend sehen, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat – diese Welt hat ihn geprägt. Dem Handwerk ist er bis heute verbunden geblieben. Gleichzeitig führte ihn sein beruflicher Weg immer stärker in die Berufsbildung. Als Unternehmer, Lehrmeister und Berufsschullehrer gab er sein Wissen an die nächste Generation weiter. Aus der eigenen Freude am Beruf entwickelte sich eine Aufgabe, die ihn während Jahrzehnten begleiten sollte: jungen Menschen zu zeigen, was mit einer Berufslehre alles möglich ist.
Eine besondere Rolle spielten dabei die Berufsmeisterschaften. 1991 war Rico Cioccarelli erstmals bei den WorldSkills dabei. Es sollte der Beginn einer aussergewöhnlichen Reise werden. Über Jahrzehnte war er bei SwissSkills, WorldSkills und EuroSkills aktiv. Er lernte Berufsleute und Experten aus den unterschiedlichsten Ländern kennen, erlebte junge Schweizer Talente in Momenten grösster Anspannung und durfte mit ihnen Erfolge feiern. Insgesamt war er an 23 WorldSkills und EuroSkills beteiligt, an 15 davon als technischer Delegierter der Schweiz. Dabei blieb er immer nahe bei den jungen Berufsleuten. Denn hinter jeder Medaille steht für ihn vor allem eines: ein junger Mensch, der bereit ist, viel zu investieren, um in seinem Beruf aussergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Genau diese Begeisterung fasziniert Cioccarelli bis heute. Berufswettbewerbe sind für ihn nicht einfach Wettkämpfe. Sie machen sichtbar, welches Können in den verschiedenen Berufen steckt. Und sie geben jungen Berufsleuten die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen.
«Mister SwissSkills»
Auch die Entwicklung der Schweizer Berufsmeisterschaften hat Cioccarelli über viele Jahre begleitet und mitgestaltet. Seit 2014 war er Wettkampfleiter der zentralen SwissSkills. Zuvor hatte er bereits während fast eines Vierteljahrhunderts als Experte bei dezentral durchgeführten Schweizer Berufsmeisterschaften mitgewirkt. Wer so lange dabei ist, erlebt Veränderungen. Die Wettbewerbe wurden grösser, professioneller und bekannter. Tausende Besucherinnen und Besucher verfolgen heute, wie junge Berufsleute ihr Können zeigen. Für Cioccarelli war diese Entwicklung auch eine Bestätigung dafür, dass die Berufsbildung die grosse Bühne verdient. Nicht zufällig wurde er in Zusammenhang mit seinem jahrzehntelangen Engagement auch als «Mister SwissSkills» bezeichnet. Ende 2022 gab er seine Funktion als technischer Delegierter ab. WorldSkills International würdigte sein aussergewöhnliches Engagement mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Ein besonderer Moment nach mehr als drei Jahrzehnten im Dienste der Berufswettbewerbe.
Fiutscher – von Anfang an dabei
Nicht nur auf nationaler und internationaler Ebene hat Rico Cioccarelli die Berufsbildung geprägt. Auch die Bündner Berufsausstellung Fiutscher ist eng mit seinem Namen verbunden. Seit ihrer Gründung ist er mit dabei und hat die Ausstellung über all die Jahre begleitet und mitgestaltet. Für Cioccarelli war Fiutscher stets mehr als eine Ausstellung. Hier können Jugendliche Berufe unmittelbar erleben, selber Hand anlegen und mit Lernenden sowie Berufsleuten ins Gespräch kommen. Genau das entspricht seinem Verständnis von Berufsbildung: Junge Menschen sollen Berufe nicht nur auf dem Papier kennenlernen, sondern erfahren, was dahintersteckt. Die diesjährige Fiutscher vom 11. bis 15. November 2026 in der Eventhalle AREON wird für ihn deshalb eine besondere sein. Es ist die letzte Bündner Berufsausstellung, die Rico Cioccarelli in seiner bisherigen Funktion aktiv mitgestaltet. Damit geht für ihn ein weiteres langjähriges Kapitel seines Engagements für die Berufsbildung zu Ende.
Zwei Abschiede
Fiutscher ist nicht der einzige Abschied, der für Rico Cioccarelli bevorsteht. An der nächsten Delegiertenversammlung am 11. Juni 2027 in St. Moritz wird er auch aus dem Leitenden Ausschuss des Bündner Gewerbeverbandes zurücktreten. Dort verantwortet er das Ressort Berufsbildung und bringt seine jahrzehntelange Erfahrung aus Gewerbe, Ausbildung und Berufswettbewerben ein. Damit endet auch beim BGV eine lange und intensive Phase seines Engagements für die Berufsbildung. Ein Rückzug, der zu Cioccarelli passt: nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt nach vielen Jahren, in denen die Förderung des Berufsnachwuchses einen grossen Teil seines Lebens bestimmt hat. Ganz ohne Berufsbildung wird es bei ihm aber wohl auch künftig nicht gehen. Als Präsident des SwissSkills Supporter Clubs engagiert er sich weiterhin für junge Berufstalente.
Verantwortungsbewusstsein und Stolz
Heute betrachtet er die Berufsbildung aus einer anderen Perspektive als damals als junger Plattenleger. Doch seine Überzeugung ist dieselbe geblieben. Eine Berufslehre kann der Anfang einer beeindruckenden Laufbahn sein. Sie vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und den Stolz auf die eigene Arbeit. Rico Cioccarelli selbst ist dafür wohl eines der besten Beispiele. Sein Weg führte ihn vom Plattenleger über den Unternehmer, Lehrmeister und Berufsschullehrer bis auf die internationale Bühne der WorldSkills. Wenn am 15. November seine letzte Fiutscher zu Ende geht und später auch seine Zeit im Leitenden Ausschuss des BGV endet, bleiben vor allem die Spuren eines jahrzehntelangen Engagements für junge Berufsleute. Denn auch nach Jahrzehnten im Dienste der Berufsbildung schlägt in Rico Cioccarelli noch immer das Herz eines Handwerkers.